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Erlebt und bewegt

In dieser Rubrik veröffentlichen wir regelmässig Beiträge aus der gleichnamigen Rubrik der Zeitschrift factum - mit freundlicher Genehmigung.

EIN KRANKENBESUCH VOR DER EWIGKEIT

Carola kam seit vier Jahren in unser Café. Sie war ein gern gesehener Gast und ihre einfache und fröhliche Art steckte uns an. Aber Carola stand dem Glauben an Jesus Christus stets ablehnend gegenüber. Dennoch sass sie immer wieder bei den Andachten dabei und hörte Gottes Wort. Dann wurde sie krank. Auf die Diagnose folgte eine kräftezehrende Therapie. Ziemlich lange schienen die Behandlungen nicht recht anzuschlagen. Doch schliesslich ging es ihr wieder besser. Im Spätsommer 2025 aber verschlechterte sich ihr Zustand rapide, sodass sie ins Krankenhaus musste. Als ich erfuhr, dass es sehr schlecht um sie stand, wusste ich, dass ich sofort ins Krankenhaus gehen musste, um ihr noch einmal das rettende Evangelium zu sagen.

Ich machte mich auf den Weg. Im Spital angekommen, ging ich zum diensthabenden Pflegepersonal und stellte mich vor. Ich sagte, ich sei der Pastor der örtlichen Freikirche und möchte gern Carola besuchen, um mit ihr zu beten. Die Schwester teilte mir mit, dass die Patientin wohl in den nächsten Stunden sterben werde und seit einigen Stunden auch nicht mehr ansprechbar sei. Ich atmete tief durch und ging anschliessend Richtung Krankenzimmer.

Bevor ich eintrat, hielt ich kurz inne und betete: «Herr, wenn du willst, schenke Carola doch noch einen wachen Moment, damit ich von dir reden kann.» Ich öffnete leise die Tür, ging hinein und setzte mich ans Bett. Carola schlief, bekam nichts um sich herum mit. Ich betete erneut. Dann sagte ich ruhig, aber bestimmt: «Carola, hier ist Thomas. Kannst du mich hören?» In diesem Moment schlug sie die Augen auf, sah mich an und erwiderte mir, dass sie mich sehe und wisse, wer ich sei. Mir war sofort klar: Diesen klaren Moment schenkt Jesus.

Ich sagte Carola, dass ich gekommen sei, um ihr etwas Lebenswichtiges mitzuteilen. Dann schlug ich meine Bibel auf und las laut Johannes 3. Ich erklärte ihr die Notwendigkeit, von oben neu geboren zu werden, Vergebung durch Jesus Christus zu erhalten und sein Vertrauen auf Ihn zu setzen. Deutlich konnte ich ihr sagen, dass sie jetzt gerade vor den Toren der Ewigkeit steht und noch einmal die Möglichkeit hat, das rettende Evangelium zu hören.

Was danach geschah, liess mich jubeln. Carola betete um Vergebung ihrer Sünden. Anschliessend lasen wir gemeinsam den Psalm 23. Als wir damit fertig waren, merkte ich, wie Carola wieder in eine Umnachtung geriet und einschlief. Stunden später ging sie in die Ewigkeit. Was in diesem wachen Moment zwischen ihr und dem lebendigen Gott geschah, kann ich nicht abschliessend beurteilen. Doch die Schrift sagt uns: Wenn wir Jesus Christus unsere Sünden bekennen, sind wir gerettet. So bin ich zuversichtlich, dass wir Carola wiedersehen werden.

Thomas Lange