Erlebt und bewegt
In dieser Rubrik veröffentlichen wir regelmässig Beiträge aus der gleichnamigen Rubrik der Zeitschrift factum - mit freundlicher Genehmigung.
BARBAREN, HÖHLENMENSCHEN - UND GENIES
Als Jugendliche las ich einmal einen Artikel, in dem ein Bibelzweifler seinen Lesern weismachen wollte, dass die ersten Texte der Bibel von Menschen erfunden wurden, die sich gerade von den Affen weiterentwickelt hatten. Nebelige Steinzeitgestalten waren sie, haarig, grunzend, halbnackt, und verspeisten rohes Fleisch. Das war das Bild, das vermittelt wurde. Hardcore Evolutionslehre für Laien. Der Mensch fängt als Amöbe an und entwickelt sich im Laufe von Millionen von Jahren zum Status des unübertroffenen Genies, das er jetzt ist. Fazit: Auf das, was am Anfang der Bibel steht, ist kein Verlass. Es sind Kindergartenerzählungen. Anders ist es mit uns modernen, aufgeklärten Supermenschen – wir wissen Bescheid, wir haben es geblickt.
Mitten in der Lektüre kam mir plötzlich der Gedanke: Was wäre, wenn genau das Gegenteil der Fall wäre? Wenn die Leute damals die Aufgeklärten waren, die Schlauen – die, die es geblickt haben? Und wir moderne Menschen die Dummen, die Zurückgebliebenen sind? Inzwischen bin ich überzeugt: Genau so ist es! Gerade die ersten Bücher der Bibel sind für die Fundamente unseres Glaubens entscheidend und deshalb vermutlich am meisten angefochten. Diese ersten Menschen waren nicht nebelige, haarige Halbaffen, die aus einer Höhle herausgekrochen kamen. Sie kannten Gott. Sie waren hochintelligent. Logisch, denn sie haben lange gelebt, waren auch zeitlich nah an den dramatischen Ereignissen, die diesen Planeten von einem herrlichen Paradies in eine pechschwarze Hölle verwandelten. Die Geschichte von Adams und Evas Sturz war im Gedankengut einiger Generationen ihrer Nachkommen tief verankert, die es persönlich aus dem Mund der ersten beiden Zeugen gehört hatten.
Ab 1. Mose 4 lesen wir vom Bau von Städten, von der Entstehung einer Zivilisation und einer Kultur. Die Arche, die Noah baut, ist ein Meisterwerk der Bautechnik (1. Mose 6,9 ff.). Klar: Diese Leistung ist in erster Linie klaren, göttlichen Bauanweisungen geschuldet. Aber Noah brachte vermutlich hochwertige handwerkliche Kompetenzen mit ins Spiel. Er wusste, wie man mit Holz arbeitet. Der Bau vom Turm von Babel (1. Mose 11), obwohl er aus verwerflichen und gottlosen Motiven in die Gänge gesetzt wurde, deutet auf eine ausserordentliche fachmännische Intelligenz dieser frühen Generation hin. Gottes Eingreifen und Gericht, als die Überheblichkeit dieser selbsternannten Supermenschen über die Stränge schlug, ist nachvollziehbar.
Im Licht dieser Beobachtungen fing ich an, die Bibel anders zu lesen. Als die Ehrfürchtige, Staunende, Lernende, nicht mehr begleitet von nagenden Zweifeln, ob sich alles wirklich so zugetragen hat, wie in den ersten Kapiteln beschrieben. Ich hatte das Gefühl, zu den Füssen derer zu sitzen, die am Anfang, an den wichtigsten Ereignissen der Weltgeschichte, ganz nah dran waren.
Kein Verfasser der biblischen Texte zweifelt auch nur einen Augenblick an der Glaubwürdigkeit der ersten biblischen Berichte, am allerwenigsten Jesus selbst. Sein ganzes Denken und Handeln ist in der Tragödie Edens verwurzelt: der Trennung der ersten Menschen von ihrem Gott und Versorger, den desaströsen Folgen und der Notwendigkeit einer Rettung. Er ist in seiner Person der Beweis dafür, dass die Bibel recht hat. Er ist der Höhepunkt, auf den alles, was vor ihm war, hinausläuft! In den Seiten dieses Buches haben wir nicht nur das Drehbuch in der Hand, sondern begegnen dem, der es lenkt!
«Denn wir sind nicht klugen Fabeln gefolgt, da wir euch kundgetan haben die Kraft und Zukunft unseres HERRN Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen, da er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm geschah von der grossen Herrlichkeit: ‹Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe›» (2. Petr. 1,16).
Nicola Vollkommer